Theo Kerg 1909 - 1993
Presse, The Press, Pressestimmen
Deutsche Pressestimmen
Anläßlich der 1956 von deutschen Museen organisierten
Theo Kerg-Ausstellungen, schrieb:
Mit Theo Kerg, der seine Arbeiten nach Ausstellungen
in Frankreich, Italien, Belgien, Dänemark und USA jetzt in
einer Reihe westdeutscher Städte zeigen wird, tritt eine starke,
nicht zu übersehende Persönlichkeit auf den Plan. Für
sein Heimatland ist er wie der verstorbene, an Vlaminck und an
dem Münchener Kolorismus geschulte Josef Kutter wieder ein
Maler, der über die engen Grenzen des Erdstrichs und der bedingt
gültigen Schulen hinaus im Begriff steht, europäischen
Rang zu erhalten.
Der Mittag
Um zu Kergs Bildern zu gelangen, muß man
wissen, daß Kerg ein im wirklichen Sinne moderner Mensch
ist. Und das heißt, ein Mensch, der um die Überschau
bemüht ist, Überschau über alle Bereiche des Daseins,
die er bewußt in sein Leben - und das ist letzten Endes seine
Kunst - miteinbezieht. Dieses bewußte Bemühen um die
Problematik des modernen Lebens läßt seine Bilder in
gewisser Weise kühl erscheinen. Aber es ist eine Kühle,
die ein Fragender seinem Gegenstand gegenüber haben muß,
wenn er dessen Problematik zu lösen sucht, das seinen Abstand
fordert. Und diese Kühle macht gerade die Ruhe und Harmonie
aus, die von Kergs Bildern ausgeht. Äußerlich hat Kerg
vieles mit Paul Klee gemeinsam, dessen Schüler er kurze Zeit
gewesen war. Da sind manche Ähnlichkeiten in den durch den
Pinselschwung bestimmten Formen oder in der Art und Weise, wie
durch kleine "Farbsteine" die Bildfläche zusammengesetzt
wird. Auch bevorzugt Kerg ein tiefleuchtendes Blau-Violett, das
für Klee so charakteristisch ist. Doch sind Kergs Bilder ganz
anders, weil er von anderen Voraussetzungen, von anderer Haltung
ausgeht. Ist es bei Klee eine Art poetisches Element, so ist es
bei Kerg ein musikalisches Kompositionselement, das Formen und
Farben bestimmt. Die Komposition dekorativer Figuren aber vereint
sich immer stärker, je reifer der Künstler wird, mit
Erscheinungsformen aus der Erinnerungsdimension, die seinen späteren
Bildern ein neues Element, eine Transparenz verleihen. Vorsichtig
tastet er sich an die Gestalt heran, immer wieder ist ihm dasselbe
Motiv Objekt: Häfen, Wasser, bewegtes Leben, Leuchten des
Tages, Leuchten der Nacht. Vielleicht aber sind es auch Symbole
seiner eigenen Existenz, die er mit kräftigem Pinsel in Konturen
und Zeichen auf die Leinwand bannt oder durch Neben- und Übereinandersetzen
der Farben zu tiefem Leuchten und kühlem Glanz aufbaut.
Abendpost - I.R.
Theo Kergs Bilder leben von ihrer farbigen Grundstimmung her.
Er bevorzugt Blau, warmes, dunkles und helles Blau, gelegentlich
Rot oder Ocker. Diese Gründe üben einen höchst suggestiven
Reiz aus, sie sprechen unmittelbar an und "stimmen" den
Betrachter ganz spontan. Aus dieser Stimmung heraus erfährt
man, was sich an Augenerlebnis im Maler in einer Zwischenwelt von
Zeichen und Spiegelungen schöpferisch umgesetzt hat. Die Bildfläche
wird zu einer Art Projektionsfeld, auf der sich Schichten transparent übereinander
legen...Die Spiegelungen werden in Flächenreflexe aufgelöst,
die musikalische Wiederholungen gestatten...Dabei werden die Flächen
sehr sorgfältig bearbeitet: sie werden geglättet, tiefer
liegende Schichten werden herausgeschabt, durchsichtig lasierend
gestupft, um zum Leuchten zu kommen...
Frankfurter Allgemeine Zeitung - d.s.
In einem Teile der Bilder setzt sich Form zu
Form in Beziehung, und dann kommt es zu sehr schönen, überzeugenden
Ergebnissen. Er erreicht dann die Geschlossenheit der großen
Vorbilder aus der Malerei unseres Jahrhunderts...
Hamburger Anzeiger - Helmut Geiss
Daß die Kerg'sche Farbenskala durchaus
an das in Paris schon immer übliche anschließt - man
vergleiche einmal seine zarten Blaustufungen mit denen auf Renoirs
Mädchenbildnis im Städel - gilt in einem Lande mit ungebrochener
malerischer Tradition ja nicht als ein Manko und kann nur im Raum
ständiger Umstürze und verzweifelten Suchens Kopfschütteln
hervorrufen. Die "bonne peinture" hat sich auch hier
wieder einmal durchgesetzt. Nur wie Kerg die Intensität seiner
Farben zu steigern vermag, indem er große ungebrochene Farbflächen
durch kleinere Farbkompartimente mit größerer Wärme
stützt, das haben wir in dieser Art noch nicht gesehen. Gerade
dadurch tritt dann auf seinen letzten Bildern die Lokalfarbe nur
noch leuchtender hervor...Die Ruhe, die diese Bilder ausstrahlen,
liegt aber nicht nur in ihrer ausgewogenen Farbigkeit, die jede
Dissonanz, jede Brutalität vermeidet, sondern ebenso stark
in der formalen, der graphischen Struktur. Im allgemeinen sind
es gerade durchlaufende Konturen, die dann in einem sanften Schwung
gegen die ursprüngliche Richtung geführt werden. Auch
sie tragen so zur Geschlossenheit der Bilder bei...Die "Expression
la plus complète", die Courbet von den Werken der Maler
fordert, hier, in den Werken Kergs, ist sie zu finden.
Neue Presse
Die Werke von Theo KERG, die vom 8.-22. Februar 1958 in der Galerie
Jos. BEFFA, 12, Montereyavenue Luxemburg, gezeigt werden, sind
engere Auswahl kleiner Formate der Ausstellung, welche von September
bis Oktober 1957 bei Gerd ROSEN, 215, Kurfürstendamm, Berlin,
und von Dezember 1957 bis Januar 1958 im Schlößchen
Bellevue, Kassel (Organisatoren: Staatliche Werkkunstschule und
Städtische Kunstsammlungen, Kassel) gastierte.
Einige Auszüge aus der Berliner Presse:
Farbenrhythmen...Die Farben klingen golden und
schwer in Gelb und Rot, hell und hart in Blau und Grün...Sie
sind spielerisch verschlungen, geschmackvoll abgestuft, ohne Leidenschaft
vorgetragen, und Kergs Erfolg, den er in Frankreich und Amerika
seit zehn Jahren genießt, wird in der unaufdringlichen Ansprache
an das Gefühl des Publikums gründen. Es meint sich vor
seinen Bildern angenehm erwärmt, in einen sehr sanften, sehr
vordergründlichen Zauber gehüllt. In langer und getreulicher
Tätigkeit vor der Leinwand entfaltet sich seine ursprüngliche
Begabung, sein positives Temperament, und es entsteht dann ein
so fürstlich strahlendes Bild wie das von der "Stadt,
in der der König ein Kind war".
Der Tagesspiegel - C.H.
Seine Bilder sind nicht Übersetzungen von
Leidenschaften, sondern von Landschaften. Wohlabgestimmt, in obendrein
raffiniertem Wechsel von Glatt und Rauh, von Matt und Glänzend.
Der ganze Reiz einer gepflegten "peinture", einer Malerei
um ihrer selbst willen, aber doch mit dem heute gleichsam moralischen
Wunsche zur Ordnung.
Telegraf - F.A. Dargel
Mitunter spielen allerdings noch vage Erinnerungen
an Markt-, Hafen- und Flugplatz-Szenen in Kergs Bilderwelt herein
aber das ist nicht mehr so ganz ernst gemeint und gibt dem Maler
kaum viel mehr als den willkommenen Vorwand, festliche Orange-,
Blau- und Grüntöne auf seiner Leinwand aufschimmern zu
lassen. Was an diesen Bildern besticht, ist weniger die Kraft als
vielmehr die Geschmackssicherheit eines Malers, der sich im Bereich
der Farbe mit intuitiver Sicherheit bewegt.
Berliner Morgenpost - E.K.
Mit südlicher Leidenschaft...Auch für
Theo Kerg ist die Farbe primäres Ausdrucksmittel, nur ist
sie bei ihm mehr poetisches als dramatisches Element. An den hier
gezeigten Ölbildern und Gouachen zeigt sich der lebhaft vorwärtsdrängende
Intellekt dieses Malers. In gut gebauten Kompositionen mit einem
sublimen Gefühl für Farben (die oft leuchten wie an alten
Kirchenfenstern), haben diese Bilder einen genau skandierenden
Rhythmus, der das Gegenständliche überflüssig macht...
Die Welt - Gisela Huwe
D ie interessante, oft delikate Farbigkeit, die
sich bald in kerniger Spachtelarbeit, bald in malerisch diffiziler,
lackfarbener Altmeisterlichkeit zeigt, nimmt den Betrachter schnell
für das Werk ein...In den Ölbildern nun, die alle jüngeren
Datums sind, wird die Farbe zum höchsten Gestaltungsprinzip.
Die Form tritt zurück, gegenständliche Anklänge
lassen sich nur noch ahnen. Auch die Titel bestätigen die
Wendung zu reinen Stimmung. Die Farbe als alleiniger Träger
der Stimmungswerte zaubert in reizvollen Rot- und Blaukompositionen
Morgen- und Abenddämmerungen hervor, sie läßt "Rote
Inseln" entstehen und treibt ihr Spiel mit "Licht und
Schatten"...
Der Tag - K.G.
Vor den Bildern von Theo Kerg (bei Gerd Rosen)
ist man versucht, von Schönheit zu sprechen...wenn dieser
Begriff in der modernen Ästhetik nicht so ungeklärt wäre.
Sagen wir also: angenehm. Harmonische Klänge sind wie bei
einer Notenschrift aus Farben festgehalten...So sehr das Farbliche
bei seiner Malerei den Ausschlag gibt, auf Linie und den Bildaufbau
aus Linien ist nicht verzichtet. Es steckt mehr Tradition, Intelligenz,
Disziplin und Arbeit an sich selbst in diesen Bildern, als der
Unbefangene zuerst annehmen mag. Allerdings kommt uns Kerg nicht
mehr gegenständlich im alten Sinne, und er verzichtet auch
auf den in der klassischen Malerei überlieferten Kontrapunkt
sämtlicher Komplementärfarben. Pro Bild eine einzige
Tonart - das ist das vorzugsweise angewendete Verfahren. Blau-dur,
Blau-moll, Gelb-dur, Gelb-moll, so möchte man sagen. Blau-dur
dominiert; darin verrät sich das Pariserische; so wenig sonst
diese Kunst zu lokalisieren ist...
Der Kurier - BUE
Einige Auszüge aus der Kasseler Presse:
Der Meister der blauen Farbe...Zu seiner Arbeitsweise
sagt Kerg: "Ich gehe von der Farbe aus wie ein Dichter vom
Wort oder ein Musiker vom Ton, das heißt, ich beginne mit
einem Farbfleck, der, auf die leere Leinwand gesetzt, zu wirken
beginnt. Er wirkt in meinem Geiste, er ruft die Erinnerungen hervor,
er verwandelt sicht, paart sich, kombiniert sich, er formt meinen
Geist, meine Gedanken, mein Gefühl, er formt die Welt, meine
bestimmte Welt; später den Gedanken, das Gefühl, die
Welt des Beschauers. So konkretisiert sich also das Bild aus einem
einzigen Fleck Farbe..." Aus diesen "Erklärungen",
wenn man diese Sätze so nennen will, ergibt sich schon, wie
man sich den Bildern Kergs nähern soll: Man soll keine Gegenstände
in ihnen suchen, sondern man soll ihrem Rhythmus, ihrer Dynamik,
der Struktur ihrer Farbe, ihrer Beziehung nachgehen. Die Bilder
atmen alle Stimmungen, Situationen, ja Landschaften, Architekturen,
die vor ihrem Werk irgendwo in der Welt, meist in südlichen
Gegenden Frankreichs, existieren. Kerg nahm dieses Geschaute und
Erfühlte in sich auf und verarbeitete es gedanklich, bis der
erste Farbfleck auf der Leinwand entstand. Deshalb sind auch diese
Bilder, die jetzt in Kassel hängen, fast durchweg fröhlich,
weil sie Sonne, Wärme, den Glanz des ewig blauen Meeres, die
Kraft des Gesteins und die Wohligkeit des heißen Sandes an
der Küste noch in sich tragen. Vielleicht mit einer Ausnahme.
Das Bild "Prisonnier" (Gefangen), das sich in kalten
blauen, weißen, grauen Farben präsentiert, läßt
alle Wärme vermissen, weil sein Gedanke, seine Erinnerungen,
sein Thema keine Wärme verträgt...
Kerg ist ein Meister der blauen Farbe, er bevorzugt sie zusammen mit Rot am
stärksten. Es ist diesem Maler gelungen, in jahrelanger Arbeit dem Blau
soviel Varianten, Tönungen, Reflexe, verschiedene Gewichte und unterschiedliche
Belichtungen zu geben, daß man oft verzaubert vor diesen, von blauen
Tönen beherrschten Bildern steht. Das gilt für "Schatten und
Licht", das ganz aus dem Blau lebt, mit ein wenig Braun, köstlich
mit dem kleinen roten Akzent unten rechts. Das gilt für "Weichende
Schatten", eine Sinfonie in Blau, für "Die Sonne traf den Schnee",
bei dem sich die blauen Farben mit grünen Einsprengseln mischen, und das
gilt auch für "Klarer Morgen", ein faszinierendes Bild, in dem
die roten und blauen Töne dem herrschenden Blau erst das Leben geben.
...Kerg, der eine Zeitlang Bilder schuf, die dem entsprachen, was wir heute "Tachismus" nennen,
gehört zu den bedeutendsten Malern des westlichen Kulturkreises. Er stand
eine Zeitlang der Gruppe "Abstraction-Création" (1934-36)
nahe und verleugnet auch heute noch nicht Eleganz und Logik der französischen
Schule. Die liebenswürdige, unaufdringliche Kraft seiner Bilder, die den
Besucher nicht anspringen, ihn nicht mit Dämonie bewältigen wollen,
sondern ihn auffordern, an der Freude der Gestaltung, die der Maler beim Werden
dieser Werke selbst empfand, teilzunehmen, macht das Werk von Theo Kerg bedeutend
und wird ihm den Bestand sichern...
Kasseler Post - Fhs
"D ie Stadt, deren König ein Kind
war" - In der Stille nach Gewittern und Naturkatastrophen
erklingt die Flöte des Pan. Nach den erregenden Stein- und
Bronzedramen des Schweizer Bildhauers D'Altri im weiten Freiraum
des Wilhelmshöher Parkes musiziert der Pariser Maler Theo
Kerg in der anmutigen Klausur des Bellevueschlößchens
ein orphisches Lied, das als strahlende Kantilene von seltener
Klarheit und Reinheit aus dem furiosen Konzert der modernen Kunst
aufsteigt. Diese Malerei ist indes keineswegs weich oder gefällig.
Sie hat Kraft und charaktervolle Tiefe, sie ist zu strenger Ordnung
diszipliniert und modern im besten Sinne. Sie ist - in der umstrittenen,
aber nun einmal eingebürgerten Katalogisierung - abstrakt
oder zumindest weitgehend abstrahierend. Sie steht in ihrer apollinischen
Ausgeglichenheit und mit ihrer lyrischen und romantischen Gehobenheit
folgerichtig am Ende einer Entwicklung, die wie immer mit grundsätzlichen,
kühlen geometrischen Analysen begann. Mit einem Hinweis auf
seinen Lehrer Paul Klee, ist der künstlerische Standort Theo
Kergs in dem von Klees meditativer Traumwelt beeinflußten
Pariser Malerkreis um den Altmeister Roger Bissière näher
eingekreist.
Im übrigen entwickelt Theo Kerg seine Bilder in engem Kontakt mit den
letzten Zeitströmungen fast ausschließlich aus der Farbe, vorwiegend
aus einer Farbe, der gefährlichsten und empfindlichsten, dem Blau, das
er in seiner ganzen Spannweite bis zu den feinsten Nuancen und Übergängen
zum Grün und Violett ausschöpft und zu seiner kostbarsten und intensivsten
Wirkung bringt. Daneben gibt es noch ein sattes, fast altmeisterliches Rot
auf seiner Palette, ein Gelb, von der warmen Leuchtkraft eines in dunkler Nacht
gastlich erleuchteten Fensters, ein nobles Grün, u.a.
Eingebettet in helles Blau, Grau, Rosa usw. schwimmen blaue oder rote Farbinseln
von zauberhaftem Wohllaut auf der Fläche, mitunter von kristallinischem
Weiß wie von der Gischt einer Brandung umsprüht (Au Pied des Pyrénées).
Diese in sich versammelte, inselhafte Abgeschlossenheit ist charakteristisch
für die Bilder Theo Kergs. Sie strahlen die kontemplative Stille aus,
in der sie gemalt wurden, und übertragen sie unmittelbar auf den Betrachter.
Im Bellevueschlößchen konnten kleine Kabinette zu abgeschlossenen
Oasen der Sammlung und der Ruhe gehängt werden.
Daneben überlagern und überschneiden sich auf dunkeln und hellen
Flächen horizontale und - sparsamer - vertikaler Linien und Farbflecken
zu rhythmischen Strukturen und klaren Texturen mit Durchblicken in magische
Räume. Von der Weltenferne der Bilder "Ombres qui passent" und "Le
soleil a rencontré la neige" spannt sich der Bogen über das
in geheimnisvollem Dunkel mit wunderbaren Farben erzählte Märchen "La
ville dont le roi était un enfant", das phantasievolle Poem "Reflets" u.a.
bis zu dem in nächster Nähe improvisierten liebenswürdigen Scherzo
der Gouache "Port".
Was den Ausstellungsbesucher am stärksten überraschen wird, ist die
direkte und leichte Zugänglichkeit dieser abstrakten Malerei, dieser in
Farbflecke übersetzten Traumdichtungen. Die Verbindung des Menschen mit
seiner Umwelt wird zwanglos und unmerklich vollzogen. Das Erlebnis einer Landschaft,
von Naturereignissen oder kosmischen Vorgängen hat sich in so durchsichtiger
Klarheit niedergeschlagen, daß auch im verhärteten Gemüt Saiten
zum Klingen gebracht werden. Die Bilder Theo Kergs eröffnen die Zwiesprache
mit so unwiderstehlichem Charme, mit so hinreißendem poetischem Schwung
und einer menschlichen Wärme, daß auch der kunstfremde oder voreingenommene
Besucher engagiert ist, ehe er sich auf schiefe und intellektuelle Fragen besinnen
kann.
Kassel gehört mit zu den ersten deutschen Städten, die den im Bundesgebiet
weniger als in den meisten europäischen Ländern bekannten Maler ausstellen.
Das soll ausdrücklich festgelegt werden. Denn, abgesehen von der "documenta" ist
diese kleine, aber sehr gehaltvolle Schau, die in ihrer künstlerischen
und geistigen Substanz als französische Entsprechung deutschen Kollektiven,
wie etwa denen von Heinz Trökes und Emil Schumacher folgt, eines der beglückendsten
Ausstellungserlebnisse der letzten Jahre, dem das stilvolle Bellevueschlößchen
mit seinen fein proportionierten Maß- und Raumverhältnissen weit
mehr als den üblichen Rahmen gibt.
Hessische Nachrichten - Friedrich Herbordt
Kassel verdankt dem Direktor der Werkkunstschule
Jupp Ernst die Bekanntschaft mit einem Maler, den man heute schon
zu den großen europäischen Begabungen rechnen darf,
und der später in der Kunstgeschichte wohl seinen festumrissenen
Platz einnehmen dürfte: Zum ersten Male stellt der Luxemburger
Theo Kerg bei uns aus - im Bellevueschloß - und es dürfte
wenige Besucher geben, die von seinen Bildern nicht gefesselt werden.
Denn, wenn überhaupt, dann geht von diesem "Abstrakten" eine
Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann. Die Bilder, so "gegenstandslos" sie
sind, sprechen den Betrachter unmittelbar an. Sie beschäftigen seine Phantasie,
sein Schönheitsempfinden, seinen Sinn für leuchtende Farben. Mit
einem Wort: die Bilder befriedigen das ästhetische Empfinden des Betrachters.
Auch wer "moderner" Kunst distanziert oder gar mit Ressentiments
gegenübertritt, wird vor Kergs Kompositionen sein Urteil einer nachdenklichen
Revision unterziehen.
Der kunstkritisch Geschulte wird eine Wahlverwandtschaft Kergs mit Paul Klee
feststellen, allerdings eine sehr entfernte Wahlverwandtschaft. Denn Kerg ist
eine durchaus eigenen schöpferische Persönlichkeit. Seine Bilder
sind liebenswerte Visionen, locker komponiert, idyllisch und versponnen. Er
ist ein Dichter in Farben, der die Harmonie der Welt besingt. Er ist ein Poet,
ein Lyriker. Alles Dämonische und Dramatische bleibt ihm fremd. Seinen
Bildern fehlt das Erregende, Aggressive, Übersteigerte, das in der modernen
Kunst eine so große Rolle spielt, sie bisweilen abstoßend macht.
Kergs (auch handwerklich sehr saubere Arbeiten) sind einfach schön. Es
kommt hinzu, daß die dem Maler eingeborene lateinische Klarheit ihn vor
der größten Gefahr der modernen Kunst bewahrt: dem Manierismus.
Die Bilder sind klar komponiert, in den Farbschichtungen fast geologisch, in
den Farbakkorden von reinem Klang. Der Maler gab ihnen zwar Titel (bezeichnender
Weise sehr poetische Titel) - es bleibt dem Besucher aber ungenommen, die eigenen
Phantasie sprechen zu lassen und den Visionen eigene Deutungen zu geben.
Kergs liebste Farbe ist die vielleicht schönste Farbe, das Blau. Er beherrscht
deren Skala mit einer Virtuosität, wie man es bisher kaum erlebte. Alle
Schattierungen sind vorhanden vom satten tiefen Blau bis zum Blaugrün,
Kobalt, Ultramarin und Violett. Dunkelrote, graue, graugrüne und rosa
Töne geben den zumeist horizontal konstruierten Bildern die Glanzlichter.
Sie leuchten über der Tiefe des Blau, lassen die schöpferische Phantasie
eines großen Malers erkennen, der von der Graphik kommend, zu einem der
großen Meister der Farbe wurde.
Kasseler Zeitung - C.K.
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